Handwerkskammern versuchen sich als Marketingfachleute – werden 50 Mio Euro Spielgeld reichen? 17.11.2009

Zwischen den Zwangsorganisationen scheint seit langem ein Wettstreit entbrannt, frei nach dem Motto: wer verschwendet am sinnlosesten die Zwangsbeiträge der Zwangsmitglieder?

Wenn es um 50 Millionen Euro geht, fällt selbst der geplante Pracht-Neubau der IHK Stuttgart auf Rang zwei zurück. Bei den Handwerkskammern sind es, wie der ZDH (Zentralverband des Handwerks) in Berlin auf Nachfrage mitteilt, nämlich mal so eben 50 Millionen für höchst fragwürdige Imagekampagnen.

Anfang 2009 wurde beispielsweise auf den Webseiten der HWK Hildesheim über eine Kampagne für die Eingliederung ausländischer Mitarbeiter im Handwerk berichtet. Von positiven Ergebnissen merkt in Deutschland niemand etwas.

Im Herbst 2009 glänzten die Handwerkskammern mit einer Kampagne gegen „Schwarzarbeit“, die jeden Schwarzarbeiter vor Schreck erstarren ließ und wahrscheinlich zu Massenarbeitslosigkeit bei den Zollbeamten führte. Wieder wurden Zwangsmitgliedsbeiträge ohne Sinn und Verstand vergeudet.

Nun erscheinen ab Januar 2010 laut Handwerkskammer Hildesheim “spektakuläre Werbespots” in Kino und Fernsehen, mit denen Jugendliche zu einer Ausbildung im Handwerk animiert werden sollen.  (Die neue Familienministerin sollte sich diese Spots lieber vorher ansehen, um zu entscheiden, ob diese spektakulären Clips nicht gar jugendgefährdend sind.)

Mit der Realisition dieser cineastischen Meisterwerke wurde das Post-Production-Unternehmen THE MILL, das  Büros in Los Angeles (Hollywood), New York und London unterhält, beauftragt.

Nun sollte sich jeder einmal folgende Frage stellen: warum müssen die Zwangsbeiträge ausgerechnet nach Hollywood fließen? Gibt es keine deutschen Filmemacher? Passen deutsches Handwerk und Hollywood vielleicht nur deshalb so gut zusammen, weil beide mit “H” beginnen?

Gerade das konservative Handwerk ist stets der Meinung, das Geld müsse im „Dorfe“ bleiben, um die regionale Wirtschaft zu unterstützen. Alles wieder nur Heuchelei und pathetische Lügen? Dieses zwielichtige Vorhaben war Grund genug, den ZDH zu den Kosten dieser Kampagne zu befragen.

Die Beantwortung auf eine E-Mail-Anfrage vom 14.11.2009 war jedoch leider wieder einmal recht farblos:

Selbstverständlich waren es laut ZDH einstimmige Beschlüsse der handwerklichen Spitzenorganisationen, die die Grundlage für die Durchführung dieser bundesweiten Image-Kampagne legten. 100% Zustimmung? Das hätte Erich Honecker in seiner Volkskammer auch nicht besser hinbekommen.

Es wurde außerdem darauf hingewiesen, dass die HWK Hildesheim diesen Beschluss mitgetragen habe. Zitat: „Den Beschlüssen der handwerklichen Spitzenorganisation waren zustimmende Beschlüsse (auch zur Finanzierung) aller deutschen Handwerkskammern (auch der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen) vorausgegangen.“

Ob die HWK Hildesheim allerdings das Recht hatte, diesen Beschluss mitzutragen, darf stark bezweifelt werden. Denn es ist sehr fraglich, ob der jetzige HWK-Hildesheim-Präsident überhaupt rechtmäßig auf seinem wackeligen Präsidenten-Thron sitzt. Läuft hier alles auf eine gerichtliche Klärung hinaus?

Die Imagekampagne sei auf fünf Jahre für den Zeitraum von 2010 bis 2014 „beschlossene Sache“. Die Kosten belaufen sich auf jährlich 10 Mio Euro. Hinzu kämen noch 1,5 Mio Euro an sogenannten Vorlaufkosten für das Jahr 2009. Die Gesamtkosten belaufen sich laut ZDH auf somit 51,5 Mio Euro.

Der ZDH spricht hier von einem Gesamtbudget für die bundesweite Imagekampagne. Versteht man das Antwortschreiben des ZDH falsch, dass es sich lediglich um 51,5 Mio Euro für eine einzelne Imagekampagne, nämlich den Werbespot aus Hollywood, handelt?

Zitat ZDH: “Aus diesem Gesamtbudget für die bundesweite Imagekampagne werden Einzelmaßnahmen wie Außenwerbung, Schulmarketing, TV-Spot, Starterpaket für die Betriebe, Broschüre Berufsbilder etc. finanziert. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir über Kosten von Einzelpositionen keine Angaben machen, da dies unseren Gremien vorbehalten ist. Mit freundlichen Grüßen …”

Hier wird euphemistisch nur von Einzelmaßnahmen gesprochen. Was aber ist mit den Zahlen für die weiteren Kampagnen? Wie und wo hat der ZDH die Eingliederungs- und Schwarzarbeiter-Kampagnen verbucht? Ein Mysterium. Nichts anderes sind wir von den undemokratischen, menschenrechtswidrigen Zwangskammern gewohnt.

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